Geschichte

Unser Sportverein blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück, weshalb dieses Kapitel auch etwas umfangreicher ausfallen wird. Schaut man in die Vergangenheit, so stehen viele schöne Ereignisse und Erfolge neben bitteren Niederlagen und schmerzvollen Stunden, die viele unserer Vereinsmitglieder persönlich miterlebt haben. An dieser Stelle soll einmal Rückschau auf die wechselvolle Geschichte gehalten werden, die unser Verein in den vergangenen 154 Jahren durchlebt hat.

Man schrieb das Jahr 1856, als sich einige sportbegeisterte Judenbacher in der Gaststätte „Carl“ zusammenfanden und gemeinsam den Arbeiter-Turnverein I gründeten. Aus den Anfangsjahren unseres Vereins ist leider nicht viel überliefert. Es war eine harte Zeit, Not war die Regel und nicht die Ausnahme. Bekannt ist, dass die Gründungsväter des Sportvereins versuchten, ihr beschwerliches Leben mit Körperertüchtigung und Sport, gleichwohl aber auch mit Geselligkeit und Gemütlichkeit auszugleichen. An Fußball oder Volleyball dachte man damals noch nicht, das Turnen sowie einfache Elemente der Körperertüchtigung standen im Mittelpunkt.

Ab dem Jahr 1894 wurde das sportliche Treiben in Judenbach durch die Gründung des Turnvereins „Germania“ bereichert. Bis weit über die Jahrhundertwende bestanden in unserem Ort damit zwei Turnvereine, die jedoch bis 1930 getrennte Wege gingen.

Bleibende Erinnerungen an diese Zeit sind die Bilder vom 50jährigen Stiftungsfest des Arbeiter-Turnvereins I, das man am 17. Juni 1906 beging und ein Bilddokument des 20jähringen Gründungsjubiläums des Turnvereins „Germania“ am 27. Juni 1914.

Die Wirren des 1. Weltkrieges waren noch allgegenwärtig, als sich 1920 mit dem Fußballclub „Sturmvogel“ der erste Judenbacher Fußballverein gründete. Als Sportplatz fungierte damals noch die „Buffenwiese“ an der Ortsverbindungsstraße zwischen Judenbach und Neuenbau. Nach nur vier Jahren schloss sich der FC „Sturmvogel“ 1924 dem Turnverein „Germania“ an. Wenig später gründete sich mit dem FC „27“ ein weiterer Fußballverein, dessen Mitglieder sich auf dem Sportplatz „Schuffeitswiese“ sportlich ertüchtigten. Aufgrund von finanziellen Engpässen machte sich aber bereits wenig später eine Angliederung an den Arbeiter-Turnverein I notwendig.
Von 1923 bis 1933 fügte außerdem der Arbeiter-Radfahrverein „Falke“ dem Sportangebot in Judenbach einen weiteren Baustein hinzu. Aus dieser Zeit ist uns noch die schöne Vereinsfahne geblieben, die eine Wand unseres Sportlerheimes schmückt. Vom Vereinsleben während der zehnjährigen Geschichte ist unterdessen wenig bekannt.

Mit dem Bau des heute noch bestehenden Fichtesportplatzes wurde 1926 begonnen. Nach zweijähriger Bauzeit konnte man die neue Sportanlage 1928 feierlich seiner Bestimmung übergeben.
Im Dezember 1930 war es dann soweit – auf vielfachen Wunsch schlossen sich der Arbeiter-Turnverein I und der Turnverein „Germania“ zusammen. Der neue Vereinsname lautete „Arbeitersportvereinigung Judenbach“.
Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges kam der Sport in Judenbach dann gänzlich zum Erliegen, wurde jedoch unter schwierigen Rahmenbedingungen bereits im ersten Nachkriegsjahr wiederbelebt. Damals wurde die „Sportgemeinschaft Judenbach“ gegründet, deren Sportler sich in den Abteilungen Fußball, Leichtathletik, Wintersport und Feldhandball betätigten. Bereits 1946 konnte die Sportgemeinschaft auf stolze 106 Mitglieder verweisen. Neben der sportlichen Aktivität zählten in den Nachkriegsjahren vor allem Maskenbälle sowie Tanzveranstaltungen zu Ostern, Pfingsten und zur Kirmes zu den Höhepunkten. Wie schwer die ersten Nachkriegsjahre waren, verdeutlicht sich, wenn man die folgenden Zeilen aus dem Protokollbuch von 1948 liest: „Im Kreissportamt sind 10 Fußballblasen eingetroffen, von denen für Judenbach (da wir im letzten Jahr keine erhalten haben) 1 Stück zugeteilt werden soll. Zum Ankauf von weiteren Fußballblasen, im Tausch gegen Kartoffeln, soll jedes Mitglied unseres Vereins etwa 2 Pfund Kartoffeln spendieren…“

Im Juli 1949 schlossen sich die Sportgemeinschaften von Judenbach und Jagdshof zur „Zentralsportgemeinschaft Judenbach/Jagdshof“ zusammen, doch bereits nach wenigen Jahren der Zusammenarbeit gingen die Sportvereine beider Orte wieder getrennte Wege. In Judenbach gründete man die Betriebssportgemeinschaft (BSG) „Traktor“, deren Fokus vor allem auf Aktivitäten im Bereich Fußball und Wintersport gerichtet war. Die Abteilung Wintersport organisierte jedes Jahr aufwändige Wintersportfeste und Meisterschaften. Zum Teil beachtliche Wettkämpfe wurden in den 1950er und 1960er Jahren auf der ehemaligen Schanzenanlage am Flößteich ausgetragen. Diese herrlich gelegene Sportanlage konnte jedoch in den Folgejahren nicht erhalten werden. Heute erinnert nur noch ein kaum zu erkennender Aufsprunghang an längst vergangene Zeiten.

Anfang der 1960er Jahre begann die goldene Ära des Judenbacher Fußballs. Im Jahr 1964 feierte die 1. Mannschaft die Meisterschaft in der damaligen Bezirksklasse und schaffte den Aufstieg in die Bezirksliga. Nach dem Abschluss der ersten Bezirksligasaison belegten unsere Fußballer sensationell den 5. Platz in der Tabelle. Im darauffolgenden Jahr jedoch stellte sich Ernüchterung ein, als man die Klasse nicht halten konnte. Einige Jahre lang pendelte die Mannschaft zwischen Kreis- und Bezirksklasse, bevor ihr 1971 der erneute Aufstieg in die dritthöchste Spielklasse der DDR gelang. Trotz viel Enthusiasmus konnte man in der darauffolgenden Saison den Abstieg nicht verhindern. Gegen etablierte Mannschaften wie Ilmenau, Meiningen, Veilsdorf oder Fehrenbach, die andere Voraussetzungen und Spielerkader hatten, konnte man nur mit Kampfgeist dagegenhalten.

Von 1972 bis 1981 startete die 1. Mannschaft in der Bezirksklasse Suhl und erreichte größtenteils gute Platzierungen. Zu dieser Zeit stand der Verein unter der Führung des verdienstvollen Sportfreundes Rudi Heymann. 1981 stieg die 1. Mannschaft in die Kreisklasse Sonneberg ab. Nach einem kurzen Intermezzo in der Bezirksklasse im Jahr 1985, kam man bereits nach einem Jahr wieder in der Kreisklasse an. In diese Zeit fällt auch der Beginn des Umbaus der alten Holzbaracke am Fichtesportplatz, mit dem man Anfang der 1970er Jahre begonnen hatte. In unzähligen Stunden schufen sich die Fußballer in Eigenleistung ein schönes Sportlerheim, das bis heute die Heimat unseres Vereins ist.

Die Abteilung Wintersport schaffte in diesen Jahren beachtliche Erfolge im Bereich des nordischen Skisports. Gerne denkt man heute noch zurück an die großen Erfolge unserer jungen Wintersportler in den 1960ern bis zur Mitte der 1980er Jahre. Unzählige Kreismeistertitel im Ski-Langlauf sowie im Sprunglauf, große Erfolge auf Bezirksebene sowie hervorragende Ergebnisse auf DDR-Ebene, wurden bei Kinder- und Jugendspartakiaden errungen. Das damalige Trainingszentrum „Ski“ Judenbach wurde wiederholt für seine exzellente Nachwuchsarbeit ausgezeichnet. Besonders hervorzuheben ist dabei, dass mit Simone Opitz eine Sportlerin aus den Reihen der Judenbacher Ski-Langläufer den Sprung in die absolute Weltelite schaffte. Der mehrfache Gewinn von Deutschen Meisterschaften, beachtliche Platzierungen bei Weltmeisterschaften und bei zwei Olympischen Spielen ließen sie zur mit Abstand erfolgreichsten Judenbacher Sportlerin werden.

Auch im Bezug auf den Vereinsnamen vollzogen sich in dieser Zeit einige Veränderungen. Der Sportverein wurde 1968 von BSG „Traktor“ Judenbach in BSG „Handwerk“ umbenannt, sollte diesen Namen aber nur kurze Zeit behalten und firmierte ab 1974 unter dem neuen Namen BSG „Aufbau“ Judenbach.

Nach der friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung Deutschlands stand der Sportverein, genau wie das ganze Land, abermals vor einem Neubeginn. Am 9. August 1990, beschloss man die neue Vereinssatzung und legte den traditionsreichen Namen SV „Germania“ Judenbach als neuen Vereinsnamen fest. Zu diesem Zeitpunkt zählte der Verein 115 Mitglieder, die in den Abteilungen Fußball, Volleyball, Wintersport und Frauengymnastik einer sportlichen Betätigung nachgingen.

Von großer Bedeutung war die Umgestaltung des Judenbacher Sportlerheims von Mai bis Oktober 1992. Die Heizungsanlage, der Umkleidetrakt mit Duschraum, die Küche und die Toiletten wurden grundhaft erneuert sowie der Gastraum neu gestaltet. Mit dem Neubau des Fichtesportplatzes wurde Mitte der 1990er ein weiteres Sorgenkind des Judenbacher Fußballs in die Hand genommen und mit der Rekonstruktion des Rasenplatzes und dem Neubau eines Tennenplatzes nachhaltige Lösungen geschaffen.
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Sportlich begann die neue Ära mit einem großen Erfolg, als die 1. Mannschaft der Fußballer 1994 den Kreismeistertitel nach Judenbach holen konnte. Die höhere Klasse konnte anschließend aber nicht gehalten werden. Zwei mal hintereinander gewann unsere Elf 1997 und 1998 den Kreispokal. Nachdem man im Jahr 1999 hauchdünn den Aufstieg in die Bezirksliga verpasste, folgte ein Jahr später der Absturz bis in die Kreisklasse. Jedoch konnte man zumindest den sofortigen Wiederaufstieg realisieren. Positiv wirkte sich nun vor allem die gute Nachwuchsarbeit aus den 1990er Jahren aus, wodurch man die Mannschaft entscheidend verjüngen konnte. Die Grundlage dafür war, dass eine Jugendmannschaft von den F-Junioren bis zu den A/B-Junioren hochgeführt und ab 2001 in die Männermannschaften integriert werden konnte. Die junge Truppe belegte in der Folgezeit stets Spitzenplatzierungen in der Kreisliga und schaffte in der Saison 2007/2008 souverän den Aufstieg in die Bezirksliga.

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Auch die Abteilung Volleyball erlebte in den 1990er Jahren einen großen Aufschwung. Aus einer Freizeitmannschaft entwickelte sich durch den Einbau einiger talentierter Spieler ein Team, das aktiv am Spielbetrieb teilnahm. Bereits 1999 konnte man den Kreispokalsieg bejubeln und ein Jahr später stieg man in die Bezirksklasse auf. Aber damit nicht genug, man schaffte sogar den Durchmarsch in die Landesklasse. Genauso rasant, wie die Entwicklung begonnen hatte, ging diese aber auch zu Ende. Die Mannschaft konnte nicht gehalten werden und zog sich aus dem Punktspielbetrieb zurück. Gehalten hat sich hingegen unsere Freizeitvolleyballmannschaft, die als Mixed-Mannschaft auch häufiger bei Turnieren startet.

Darüberhinaus betätigten sich die Wanderfreunde rege am Vereinsleben. Zahlreiche Wanderungen in nah und fern wurden durchgeführt, doch leider konnten durch gesundheitliche Probleme in jüngerer Vergangenheit keine größeren Aktivitäten mehr geplant werden.

Die Frauensportgruppe bereichert seit einigen Jahren das sportliche Bild unseres Vereins. Als eigentliche Nachfolger des Turnvereins, sind sie mit Nordic-Walking und verschiedensten anderen Sportangeboten jede Woche aktiv.

Nicht zu vergessen sind die beachtlichen Leistungen, die Einzelsportler in den vergangenen Jahren für den SV „Germania“ Judenbach erreichten. Hier sei zum Beispiel Peter Engel genannt, der 1995 und 1997 jeweils erfolgreich am WASA-Lauf teilnahm oder Heiko Fritz, der bei verschiedenen Triathlon- und Marathonevents beachtliche Ergebnisse erzielte. Besonders hervorzuheben sind die Leistungen, die der stark sehbehinderte Sportfreund Steffen Klitschka erbringt. Seit 2005 startet er für die „Germania“ und überrascht immer wieder mit seinen atemberaubenden Aktionen. Erst im letzten Jahr nahm er beim „Run of the Wall“ teil, einem Extremmarathon auf der Chinesischen Mauer.

Neben den sportlichen Aktivitäten war und ist der SV „Germania“ auch kulturell aktiv. Dabei seien die Veranstaltungen zum Fasching und Tanz sowie das Parkfest, das sechsmal ausgerichtet wurde, genannt.

Unvergessen sind auch die vielen Fahrten, die der Verein in den vergangenen Jahren durchführte. Ob früher nach Eisenach, Karl-Marx-Stadt, Berlin oder nach der Wende die Fahrten in den Schwarzwald, nach Hradec Kralove oder Pilsen in Tschechien. Die Fahrten der Volkssportmannschaft, der Wanderfreunde, der Alten Herren und der Fußballer sind bleibende Erinnerungen, durch die sich auch viele Sportfreundschaften begründet wurden.

So hat sich in den vergangenen zehn Jahren auch eine tiefe Freundschaft der ersten und zweiten Judenbacher Männermannschaft zu den Fußballern des Teltower FV entwickelt. Diese wird jedes Jahr durch gegenseitige Besuche erneuert und am Leben gehalten und sind mit unvergesslichen Erinnerungen für beide Seiten verbunden.